#2: Die Zahl
Shownotes
Diese Folge folgt einer Zahl:
- Im Gutachten von Professor Linus Hofrichter, Juni 2023, stehen für die günstigste Variante einundfünfzig Millionen Euro.
- Das Gutachten selbst nennt seine Zahlen „Grobkosten, die eine Ungenauigkeit von circa zwanzig Prozent beinhalten".
- Am 26. September 2023 beschließt der Bremer Senat genau diese Variante.
- Vier Wochen später, im Oktober 2023, erscheint eine Vergabeausschreibung. Geschätzte Baukosten: hundertachtundvierzig Millionen.
- Im September 2025 veröffentlicht die Gesundheit Nord die Vorentwurfsplanung. Stand: rund hundertsiebzig Millionen Euro. Fertigstellung verschoben auf November 2029.
- Die CDU-Fraktion beziffert das Gesamtvolumen im Dringlichkeitsantrag auf über siebenhundertdreißig Millionen Euro, plus hundertfünfzig bis zweihundert Millionen für nicht aufgeführte Ersatzmaßnahmen.
- Eine Sensitivitätsanalyse, die das Haushaltsrecht bei unsicherer Datenlage vorsieht, fand nicht statt. Die Behörde antwortet am 12. März 2026: „nicht notwendig".
Quellen und Aktenlage
- Gutachten Prof. Linus Hofrichter zur Variantenbetrachtung der baulichen Restrukturierung der Gesundheit Nord, Juni 2023 (Seite 9: Grobkosten, Ungenauigkeit ±20 %)
- Senatsbeschluss zur Variantenwahl, 26. September 2023
- Vergabeausschreibung Generalplanervertrag, Oktober 2023, geschätzte Baukosten 148 Mio. €
- Vorentwurfsplanung Gesundheit Nord, September 2025, rund 170 Mio. €, Fertigstellung November 2029
- Dringlichkeitsantrag der CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, Januar 2025 (Gesamtvolumen > 730 Mio. €, zusätzlich 150–200 Mio. € Ersatzmaßnahmen)
- Kreditrahmen Gesundheit Nord: 231 Mio. €
- § 7 Landeshaushaltsordnung Bremen (Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, Sensitivitätsanalyse-Pflicht bei unsicherer Datenlage)
- Antwort der Senatorin für Gesundheit auf die Fachaufsichtsbeschwerde von Roman Fabian, Betriebsratsvorsitzender des Klinikums Links der Weser, vom 12. März 2026 (11 Seiten)
In der nächsten Folge
3 — Dreiundzwanzig Seiten. Was im Gutachten steht, das alles tragen soll. Und was nicht.
Hinweise und Quellen an: nichtnotwendigpodacst@gmail.com
Transkript anzeigen
00:00:00: Einenundfünfzig Millionen Euro.
00:00:02: So stand es im Gutachten Juni-Zweitausenddreiundzwanzig Seite neun.
00:00:08: Hundertsiebzig Millionen euro, so steht es zweieinhalb Jahre später in der Vorentwurfsplanung – eine Vertreiferung!
00:00:16: Und niemand hat vorher geprüft was passiert wenn die Zahlen nicht stimmen.
00:00:23: Sie hören den Podcast nicht notwendig über ein Krankenhaus das verschwinden soll und eine Stadt die nicht hinsehen will.
00:00:32: Folge eins – die Zahl Bremen will ein Krankenhaus schließen.
00:00:37: Das Klinikum links der Weser im Süden der Stadt, seit Jahrzehnten Schwerpunktversorger für über hunderttausend Menschen.
00:00:45: Dort steht das Herzzentrum dort landen Rettungshubschrauber und dort soll bald nichts mehr sein weil der Senat entschieden hat alles ans Klinikum Bremen Mitte zu verlagern.
00:00:56: Die Grundlage für diese Entscheidung?
00:00:59: Ein dreiundzwanzigseitiges Gutachten verfasst von Prof.
00:01:03: Linus Hofrichter, veröffentlicht im Juni-Zwei-Tausend-Dreiundzwanzig.
00:01:08: Fünf Varianten für die Zukunft der Bremer Kliniken durchgerechnet vom selben Architekturbüro.
00:01:15: Die günstigste Variante – Krankenhausschließen, Herzzentrumverlagern kostet laut Gutachten einundfünfzig Millionen Euro.
00:01:23: Die teuerste – Krankenhauserhalten und Sanieren.
00:01:26: dreihundertundvierzig Millionen.
00:01:30: Einundfünfzig gegen dreihundert-einundvierzig.
00:01:34: Das klingt noch einer einfachen Entscheidung, aber auf derselben Seite, auf der die einundfünftig Millionen stehen steht auch einen Satz den man leicht überließt.
00:01:45: Das Gutachten nennt alle seine Zahlen wörtlich grob kosten, die eine Ungenauigkeit von ca.
00:01:52: zwanzig Prozent beinhalten.
00:01:55: Zwanzig prozent!
00:01:57: Bei einundfünfzig Millionen sind das zehn Millionen rauf oder runter.
00:02:02: Klingt verkraftbar, aber bei einem Gesamtprojekt von mehreren hundert Millionen?
00:02:08: Am sechsundzwanzigsten September zwei tausenddreiundzwantig beschließt der Bremer Senat Variante eins Krankenhaus schließen Herzzentrum verlagern.
00:02:18: Die Einen und Fünfzig Millionen sind jetzt die offizielle Zahl.
00:02:22: Vier Wochen später Oktober Zwei Tausend Dreiund Zwanzig taucht auf der Vergabe-Plattform eine Ausschreibung auf.
00:02:30: Generalplanervertrag für die Verlagerung, geschätzte Baukosten – «hundert und vierzig Millionen Euro».
00:02:38: Nicht einundfünfzig!
00:02:39: Hundert und vierzig!
00:02:41: Das ist das Dreifache einen Monat nach dem Beschluss.
00:02:45: Dann September zweitausendunfünfundzwanzig.
00:02:49: Die Gesundheit Nord veröffentlicht die Ergebnisse der Vorentwurfsplanung.
00:02:53: Rund hundertsiebzig Millionen euro plus eine Verzögerung, Fertigstellung jetzt November-Zweitausendneunundzwanzig statt Anfang-Zwei-Tausendachtundzwanzig.
00:03:04: Hundertsiebzig Millionen für einen Vorgang der mit einundfünfzig begann bezahlt von einer Stadt die seit Jahren über marode Schulen und fehlende Kitaplätze streitet.
00:03:16: Und das ist nur die Verlagerung!
00:03:18: Das Gesamtinvestitionsvolumen der Gesundheit Nord, also alles was die städtischen Kliniken in den nächsten Jahren an Umbau Neubau und Sanierung brauchen, beziffert die CDU-Fraktion der Bremischen Bürgerschaft in ihrem Dringlichkeitsantrag vom Januar twenty-fünfundzwanzig auf über siebenhundertdreißig Millionen Euro.
00:03:39: Dazu kommen so die CDU hundertfünfzig bis zweihundert Millionen für Ersatzmaßnahmen, über die bisher niemand spricht.
00:03:48: Eine Gesamtplanung liege nicht vor.
00:04:06: Wenn du ein Haus baust und der Kostenvoranschlag sich verdreifacht, dann fragst du deinen Architekten was schief gelaufen ist.
00:04:19: Wenn eine Stadt dasselbe macht mit Steuergeld in dreistelliger Millionenhöhe Dann gibt es dafür einen Instrument.
00:04:28: Es heißt Sensitivitätsanalyse.
00:04:31: Es prüft Was passiert wenn die Schätzung nicht stimmt.
00:04:35: Können wir uns das noch leisten?
00:04:38: Das Haushaltsrecht schreibt genau das vor, wenn die Daten unsicher sind.
00:04:43: Und dass Gutachten selbst sagt, die Daten sind unsicher – zwanzig Prozent!
00:04:50: Die Bremer Behörde wurde gefragt, warum diese Prüfung nicht stattgefunden hat?
00:04:55: Ihre Antwort?
00:04:56: An zwölften März, zwei tausendzechsundzwanzig elf Seiten lang.
00:05:01: sie enthält einen Satz der diesem Podcast seinen Namen gibt Die Sensitivitätsanalyse, schreibt die Behörde, sei nicht notwendig gewesen.
00:05:11: Wie konnte aus einundfünfzig Millionen hundertsiebzig werden?
00:05:16: Wer hat geprüft und wer hat es gelassen?
00:05:20: Die nächste Folge beginnt auf Seite neun eines Gutachtens das alles tragen soll.
00:05:25: Dreiundzwanzig Seiten für siebenhundertdreißig Millionen Euro.
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